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Porträt-Fotografie: Mehr als Winkel, Licht und Stativ

21. Dezember 2022
Erlebnisbericht von Lenia Herger (1. Lehrjahr Interactive Media Design EFZ) und Lynn Allina (Praktikum Content Creation)

Ein Tag, 16 Porträts. Für André ist das ein ganz normaler Arbeitstag. Für die jüngeren Mitglieder in unserem Content-Team war es ein ganz besonderer Tag, denn wir hatten die Möglichkeit einem echten Profi über die Schulter zu schauen. André Herger ist seit über zwei Dekaden im Geschäft. Über die Jahre hat er sich mit seinem grossartigen Gespür für die Menschen, die er fotografiert, sowie mit seinem Auge fürs Detail und als einer der renommiertesten Poträtfotografen etabliert und wurde mehrfach international ausgezeichnet.

«Fotos beginnen mit Gefühlen, und optimalerweise enden sie mit Gefühlen.»

André Herger, Porträtfotograf

Der Tag begann mit der Ankunft im Friends Office. André besuchte uns an der Steinenstrasse – mit einem riesigen Koffer seines gut sortierten Equipments für das bevorstehende Shooting. Auch dies war bereits eine Entscheidung, die André zugunsten der Qualität des Resultats getroffen hat: Müssten die «Models» alle zu ihm ins Studio reisen, wäre dies deutlich weniger effizient. Zudem erlaubt es ihm ein Shooting vor Ort, die Menschen in einer gewohnten Umgebung abzulichten. Das schafft Vertrauen und Sicherheit – zwei essenzielle Faktoren für ein gelungenes Porträt.

Genaue Vorbereitung ist ausschlaggebend

Der zweite Schritt war die technische Seite des Shootings. Das Licht spielt, wie immer in der Fotografie, eine zentrale Rolle. Zwei Lichter positionierten wir seitlich vor der Leinwand. André erklärte uns geduldig die Vorteile der ergänzenden, indirekten Beleuchtung über die Leinwand. Das Keylight (Hauptlicht) haben wir schliesslich direkt vor die zu fotografierende Person gestellt. Dafür gibt es aber nicht wirklich eine konkrete, verbindliche Anleitung. Je nach gewünschtem Stil des Resultats kann man hier viel variieren. Zudem ist auch jeder Mensch wieder anders. Gesichtszüge, Figur, Kleidung – all das und noch viel mehr spielt bei der richtigen Ausleuchtung eine Rolle. So gab es denn auch während des Shootings immer wieder leichte Anpassungen in der Ausleuchtung, je nachdem, wer gerade vor der Kamera stand.

«Hey, warst du beim Friseur?»

André arbeitet nach einem einfachen Grundsatz: Für das perfekte Foto ist der Fotograf zuständig. Dies lässt er seine Models von der der ersten Sekunde an wissen und nimmt ihnen so gleich zu Beginn einen grossen Teil der Nervosität. Sein Tipp: «Die Person vor der Kamera muss spüren, dass das Porträt gut werden wird. Dafür kommuniziere ich sehr aktiv, lobe und gebe in einem positiven Stil meine Anweisungen weiter.» Das Shooting wird dadurch lockerer und die Person fühlt sich gut aufgehoben. André hat zu diesem Zweck ein riesiges Repertoire an Fragen, Anmerkungen und flotten Sprüchen, um sein Gegenüber zum Lachen zu bringen oder einen kurzen Moment lang aus der Angespanntheit zu locken, um einen authentischen Augenblick zu erhaschen. Genau diese Momente sind es, in denen die richtig guten Porträts entstehen.

Am Ende der Session mit André durfte sich jeder Friend direkt die Fotos ansehen und sich für das beste Bild entscheiden. Dieser Prozess gehörte allein André und der abgelichteten Person – es gab keine Weisungen, Vorgaben oder Einsprachen von aussen. Es war sehr spannend, zu beobachten, wie einige Friends sich sehr schnell für ein Porträt entschieden haben. Andere brauchten länger, haben die Auswahl zuerst Stück für Stück eingegrenzt und erst dann entschieden.

Schwieriger als gedacht

Das Highlight vom Tag kam zum Schluss: Wir durften selbst die Rolle hinter der Kamera einnehmen. Obwohl wir André den ganzen Tag beobachten konnten, war es hinter der Kamera schwieriger als gedacht. Insbesondere die Interaktion mit der Person vor der Linse erfordert sehr viel Gespür und auch etwas Mut.

Die wichtigste Erkenntnis des Tages war für uns, dass es in der Porträtfotografie in erster Linie darum geht, wie gut man mit Menschen umgehen kann. Die technische Seite eines solchen Shootings lässt sich rasch erlernen. Die menschliche Seite ist ungleich wichtiger und viel schwieriger zu meistern. Von André haben wir diesbezüglich sehr viel lernen können und wir freuen uns darauf, bald selbst weitere Erfahrungen in diesem Bereich zu machen.

Vielen herzlichen Dank, lieber André, für dein grosses Engagement, deine Offenheit und einen spannenden, tollen Tag. Die fertigen Porträts könnt ihr hier auf unserer Website ansehen.